Alessandro de Franciscis

Président du Bureau des Constatations Médicales

Président de l’Association Médicale Internationale de Notre-Dame de Lourdes (AMIL)

Liebe Mitglieder des AMIL, liebe Leser,

Zunächst möchte ich Ihnen aufrichtig danken für Ihre liebevolle Nähe bei unserer täglichen Arbeit hier in Lourdes. Dies wurde mir am Tag nach der Veröffentlichung der letzten Ausgabe des Bulletins klar, der Sonderausgabe, die meinem berühmten Vorgänger, Dr. Theodore Mangiapan gewidmet war. Die Anzahl der Briefe, Nachrichten und Zeugnisse der Ermutigung, die wir erhalten haben, bestätigt, dass die große AMIL-Familie eine echte „Familie“ ist.

In einem Schreiben vom 31. Mai 2019 ernannte Papst Franziskus Weihbischof Antoine Hérouard von Lille zum Delegierten ad nutum Sanctae Sedis für den Wallfahrtsort Lourdes. Der Papst schrieb unter anderem: „… Ich möchte verstehen, welche weiteren Formen der Wallfahrtsort Lourdes zusätzlich zu den vielen bereits bestehenden Formen annehmen kann, um immer mehr zu einem Ort des Gebetes und des christlichen Zeugnisses zu werden, der den Erwartungen des Volkes Gottes entspricht.

Im Laufe des Sommers ernannte Msgr. Hérouard den neuen Rektor des Heiligtums in der Person von Msgr. Olivier Ribadeau Dumas aus der Diözese Paris, der sein Amt am 1. Oktober antrat. Der Rektor ernannte dann Xavier d’Arodes de Peyriague aus der Diözese Toulouse, ehemaliger Seelsorger des Wallfahrtsortes, zum Vize-Rektor sowie seinen Rat. An den Bischof, den Päpstlichen Delegierten und an den neuen Rektor und Vizerektor des Heiligtums richten wir die die herzlichen Grüße der gesamten AMIL-Familie und versichern sie von neuem unserer Bereitschaft zur aktiven Zusammenarbeit.

Der Abschied von Pater André Cabes, Rektor seit September 2015, Priester der Diözese Tarbes und Lourdes, war schlicht und ereignete sich wie auf Zehenspitzen. Ich möchte ihm hier im Namen von Ihnen allen danken für das, was er in einer sehr schwierigen Zeit mit Einfachheit, einem authentischen evangelischen Geist und einem ausgeprägten Sinn für den Empfang getan hat. Die Verleihung der Ehrenmedaille der Stadt Lourdes durch die Bürgermeisterin von Lourdes, Frau Josette Bourdeu, an Pater Cabes im Dezember 2019 fand ich vollkommen angebracht!

 Im Oktober 2019 leitete Monsignore Hérouard gemeinsam mit dem neuen Ko-Präsidenten, Professor Olivier Jonquet vom Universitätsklinikum Montpellier, die Jahrestagung des CMIL – des Internationalen Ärzte-Komitees von Lourdes. Ich möchte Professorin Marie-Christine Mouren, die in der Folge von Professor François-Bernard Michel den Vorsitz des CMIL übernommen hat, von Herzen danken und umarmen. Prof. Mouren verstand es, sich sowohl als eine strenge Akademikerin als auch als eine überraschende Wegbereiterin zu zeigen mit der Erfindung der Formel des Selbststudiums durch die Mitglieder des CMIL. Doch vor allem war sie für mich persönlich und für mein kleines Team eine echte Freundin. Die Unbefleckte Empfängnis von Lourdes wird ihr für all die Liebe zu danken wissen, mit der sie sich in ihren Dienst stellt. Wir wünschen Olivier Jonquet aufrichtig eine fruchtbare Zusammenarbeit.

Zu Beginn dieses Bulletins lesen Sie eine Vorstellung des Themas unserer diesjährigen Wallfahrten – die Unbefleckte Empfängnis – die von Msgr. Hérouard verfasst wurde, sowie die Texte von Pater Cabes und Msgr. Ribadeau Dumas.

Trotz der dramatischen Nachrichten über Epidemien von Virus- und Infektionskrankheiten informieren uns Epidemiologen, dass Krebs bald weltweit die Haupttodesursache durch nicht übertragbare Krankheiten sein wird und die Herz-Kreislauf-Erkrankungen übertrifft. In einer beispiellosen prospektiven Kohortenstudie

zeigen Gilles R. Dagenais et al.  (Variations in common diseases, hospital admissions, and deaths in middle-aged adults in 21 countries from five continents (PURE): a prospective cohort study – The Lancet, September 3, 2019 – DOI: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(19)32007-0), wie Krebs heute die Haupttodesursache bei Erwachsenen im Alter von 35-70 Jahren in Ländern mit hohem und in einigen Ländern mit mittlerem Lebensstandard ist. Es ist kein Zufall, dass auf der Titelseite der Zeitschrift Harvard Public Health, die Zeitschrift der Harvard School of Public Health, in der Herbstausgabe 2019 zu lesen war: The cancer miracle isn’t a cure. It’s prevention (Wunder ist kein Heilmittel bei Krebs. Nur Vorsorge ist es). Dahingegen glauben zu viele Menschen in unserer Umgebung, dass der Kampf gegen die Krebserkrankungen fast gewonnen ist. Unser Kollege, Prof. Jean-Charles Soria, Onkologe und Mitglied des CMIL, wurde vom Gesundheitsminister im Januar 2020 zum neuen Generaldirektor des Gustave-Roussy-Instituts ernannt, einer der wichtigsten Institutionen der Welt im Bereich der Forschung, der Lehre und der Behandlung bezüglich der Krebserkrankungen. Ich freue mich, die Präsentation zu veröffentlichen, die Professor Soria 2018 für die Kollegen des CMIL mit dem Titel „Ist die Heilung von Krebs in greifbarer Nähe?“ gehalten hat. Ich übermittle Prof. Soria unsere besten Wünsche und versichere ihn unseres Gebetes.

Darauf folgen zwei Reden, die Papst Franziskus kürzlich vor Ärztekollegen zum Thema Krebs gehalten hat.

Hier in meinem Leitartikel möchte ich jedoch den Heimgang zweier Personen in Erinnerung rufen, die zur Geschichte von Lourdes gehören:

  1. Der Pfarrer von Beaucaire (Diözese Aix und Arles im Departement Gard, Südfrankreich) teilte mir mit, dass Francis Pascal, die 45. durch ein Wunder in Lourdes geheilte Person, am 7. November 2019 verstorben ist. Er wurde am 2. Oktober 1934 geboren und erkrankte im Alter von 3 Jahren an einer sehr schweren Form von Meningitis, die eine völlige Blindheit und die Lähmung der unteren Gliedmaßen zur Folge hatte. Ende August 1938 wurde er zu einer Wallfahrt nach Lourdes mitgenommen, wo er auf unerklärte Weise geheilt wurde. Nach einer langen Prüfung durch das Büro für medizinische Befunde wurde die Heilung am 31. Mai 1949 von Bischof Charles de Provencheres, Bischof von Aix, Arles und Embrun, als wunderbar anerkannt. Er führte ein einfaches Leben in seiner Heimatstadt Beaucaire und arbeitete mit seinem Bruder in der Landwirtschaft. Er engagierte sich großzügig als Zeuge des empfangenen Wunders, im Dienst an anderen bei den Wallfahrten nach Lourdes und in der Konferenz des Heiligen Vinzenz von Paul.
  2. Die große Wallfahrt HCPT – Handicapped Children Pilgrimage Trust – gab am 27. Dezember 2019 den Tod von Dr. Michael Strode, Kinderarzt, Gründer des HCPT und Mitglied von AMIL bekannt, der unter dem Namen Brother Michael ein Zisterzienser-Oblate geworden war. Er wurde am 5. Juni 1932 geboren, während seines Universitätsstudiums vom katholischen Glauben angezogen und am 15. September 1945 in die Kirche aufgenommen. 1946 legte Michael Strode seine Abschlussprüfung in Medizin an der Universität London ab. 1949 machte er seinen Militärdienst als Marinemediziner, aber wegen einer Lungentuberkulose schloss er seine Facharztausbildung in Pädiatrie erst 1953 ab. Im selben Jahr begann er seine Arbeit bei der Chailey Heritage Foundation, deren Aufgabe es ist, Kindern und Jugendlichen mit komplexen neuromotorischen Störungen zu helfen, ihr ganzes Potenzial zu entfalten. Er arbeitete dort bis Dezember 1988. Seine erste Wallfahrt nach Lourdes unternahm er 1951 mit der Diözesanwallfahrt von Birmingham. Im Jahr 1954 beschloss er – zusammen mit seinem Freund Peter Keevney – eine Gruppe behinderter Kinder der Chailey Foundation im Rahmen der Pilgerreise von Birmingham nach Lourdes zu begleiten. 1955 fuhren bereits zwei Gruppen mit nach Lourdes. Die Wallfahrt HCPT wurde 1956 gegründet und organisierte 1957 ihre erste Wallfahrt. 1991 wurde Dr. Strode Mitglied einer Zisterzienser-Gemeinschaft, wo er am 7. Juni 1998 die ewigen Gelübde als Oblate ablegte. Bruder Michael spielte bis zum Schluss eine aktive Rolle bei der Wallfahrt HCPT. Ich hatte die Freude, ihn zu Beginn meiner Amtszeit im Büro zu empfangen. Seine letzte Unterschrift im Büro stammt aus dem Jahr 2013, und unsere letzte herzliche Begegnung fand im seinem geliebten Hosanna-House in Bartres statt. 

Meine Einladung im Januar zu einer sehr gelungenen Tagung am Institut Catholique de Paris zu dem Thema teil: „Heilt Gott noch? Liturgische Mittel, ökumenische Unterscheidung“, die große Zahl der Teilnehmer und die Qualität der Konferenz der Seelsorger und Wallfahrtsleiter in Lourdes, die im Februar in der Wallfahrtsstätte stattfand, die Qualität unserer Ordentlichen Versammlung des AMIL vom 10. Februar und die Zunahme der Zahl der medizinischen und paramedizinischen Fachkräfte, denen ich in Lourdes begegne, bestätigen mir, dass unsere Berufung“, den Kranken zu dienen, und unsere Liebe zu Lourdes ein echtes Privileg sind.

In dem bereits zitierten Schreiben vom 31. Mai 2019 an seinen Delegierten Msgr. Hérouard sagt Papst Franziskus in der Tat: „Der Wallfahrtsort Lourdes, der um die Grotte von Massabielle gebaut wurde, wo die Heilige Jungfrau Maria 1858 der heiligen Bernadette Soubirous mit dem Namen Unbefleckte Empfängnis erschien, ist ein Ort, an dem der Glaube, das Zeugnis der Nächstenliebe und die Volksfrömmigkeit auf bewundernswerte Weise miteinander verschmelzen. Seit mehr als einem Jahrhundert ist es Ziel ununterbrochener   Wallfahrten, und unzählige Gläubige aus allen Teilen der Welt sind hierher gekommen und haben sich der besonderen Mittlerschaft Unserer Lieben Frau von Lourdes anvertraut, um das Geschenk der Heilung an Körper und Geist zu erlangen. Die Verehrung Unserer Lieben Frau von Lourdes ist im Übrigen in der ganzen Kirche auf bewundernswerte Weise gegenwärtig, und ihre Botschaft bleibt im Volk Gottes immer lebendig.

Und ich hoffe, sehr viele von Ihnen dieses Jahr in Lourdes zu treffen!