EDITORIAL

Bull Assoc Med Int Lourdes, Verano 2020, 93 (348-349): 35-42

Sandro de Franciscis

Président du Bureau des Constatations Médicales
Président de l'Association Médicale Internationale de Notre-Dame de Lourdes (AMIL)

Liebe Mitglieder des AMIL und liebe Leser des Bulletins,

Es ist mir eine besondere Freude, Ihnen diese Ausgabe des Bulletins vorzustellen, die erste Ausgabe, die in der „COVID-19-Zeit“ konzipiert und veröffentlicht wurde.

Diese neue furchtbare Viruserkrankung, die inzwischen weltweit verbreitet ist, wird durch ein neues Coronavirus verursacht, das noch nie zuvor beim Menschen identifiziert wurde. Das Virus (früher als 2019-nCoV bezeichnet) wird SARS-CoV-2 (Severe Acute Respiratory Syndrome – Coronavirus-2) genannt. Dies teilte das Internationale Komitee für die Taxonomie von Viren (International Committee on Taxonomy of Viruses, ICTV) mit, das sich mit der Bezeichnung und Benennung von Viren (d.h. Art, Gattung, Familie usw.) befasst. Dieser Gruppe von Wissenschaftlern zufolge ist das neue Coronavirus, das erstmals Ende 2019 in Wuhan, China, identifiziert wurde, der Bruder desjenigen, das SARS verursachte (SARS-CoV der Jahre 2002-2004), daher der gewählte Name SARS-CoV-2. Die durch dieses neue Coronavirus verursachte Krankheit heißt COVID-19 (wobei „CO“ für Corona, „VI“ für Virus, „D“ für Disease steht und „19“ das Jahr angibt, in dem sie aufgetreten ist), wie der Generaldirektor der WHO (Weltgesundheitsorganisation) angibt.

Es gibt viele verschiedene Coronaviren, von denen die meisten bei Tieren Krankheiten verursachen. Heute wissen wir, dass 7 Arten von Coronaviren für Krankheiten beim Menschen verantwortlich sind. Vier dieser 7 menschlichen Coronavirus lösen leichte Infektionen der oberen Atemwege aus, die die Symptome einer normalen Erkältung verursachen. 3 der 7 menschlichen Coronavirus-Infektionen, die ursprünglich alle vom Tier auf den Menschen übertragen wurden (Zoonosen), können jedoch viel schwerwiegender sein und haben in jüngster Zeit große Epidemien tödlicher Lungenentzündungen verursacht:

Das Auftreten neuer, für den Menschen pathogener Viren, die bisher nur in der Tierwelt im Umlauf waren, ist ein weithin bekanntes Phänomen (Spillover oder Übertragungseffekt genannt). Die interspezifische Übertragung ist ein natürlicher Prozess, bei dem sich ein pathogener Erreger aus einem tierischen Speicher weiterentwickelt und fähig wird, den menschlichen Körper zu infizieren, sich in ihm zu vermehren und übertragen zu werden. Im Falle von Viren handelt es sich immer um eine Veränderung in ihren Genen. Durch Mutation können Viren neue Fähigkeiten erlangen, darunter die Produktion neuer Protein-Versionen in ihrer äußeren Hülle, dem Kapsid, das in der Lage ist, menschliche Zellen zu erkennen, in sie einzudringen und sich darin zu vermehren. Dies tritt häufiger bei RNS-Viren wie dem Coronavirus auf, die im Durchschnitt eine höhere Mutationsrate haben und daher leichter die Fähigkeit erlangen können, menschliche Zellen zu infizieren.

Die interspezifische Übertragung geschieht in der Regel durch längeren Kontakt zwischen dem Menschen und dem Tier, das den ursprünglichen Erreger trägt: Bei Viren beispielsweise können mehrere Übertragungsversuche durch zufällig mutierte Virusstämme notwendig sein. Je länger und näher die Tier-Mensch-Exposition besteht, desto wahrscheinlicher ist es statistisch gesehen, dass ein Virus zufällig zu einem neuen Stamm mutiert, der in der Lage ist, menschliche Zellen zu infizieren.

Zoonosen sind ein Naturphänomen, mit dem das Menschengeschlecht seit Jahrtausenden lebt: Viele von ihnen haben echte Pandemien hervorgerufen, die die Geschichte der Menschheit geprägt und beeinflusst haben. Die moderne Welt macht die Übertragung von Infektionskrankheiten jedoch noch einfacher als in der Vergangenheit. Die Zahl der Menschen auf unserem Planeten beträgt fast 8 Milliarden, und weit über die Hälfte davon lebt in städtischen Gebieten, Gebieten, davon etwa 40 mit über fünf Millionen Einwohnern. Die Verkehrstechnologie und der tägliche Strom von Menschen, die aus wirtschaftlichen und touristischen Gründen reisen, machen es theoretisch möglich, einen Krankheitserreger innerhalb weniger Stunden von einem Ende der Erde zum anderen zu transportieren. Weitere Faktoren, die die moderne Welt anfälliger für infektiöse Zoonosen machen, sind Veränderungen der Ökosysteme und die Ausdehnung der vom Menschen geschaffenen städtischen Gebiete. Der Lebensraum der Wildtierarten, aus denen die Viren stammen, wird zunehmend reduziert und durch menschliche Aktivitäten ersetzt, wodurch Wildtiere gezwungen sind, eng und unfreiwillig mit Menschen und Scheunenhof-Tieren zu leben.

Der Klimawandel schafft auch Umgebungen, die der Vermehrung von Insekten und anderen Tieren als Vektoren für Krankheitserreger förderlich sind, und – im Falle von durch die Luft übertragenen Zoonosen – macht die Luftverschmutzung die Menschen im Durchschnitt anfälliger für Atemwegsinfektionen. Aus diesen Gründen wird erwartet, dass die Häufigkeit von Zoonosen in den kommenden Jahrzehnten zunimmt.

Für uns Katholiken und für uns Männer und Frauen guten Willens hat das, was wir in den letzten Monaten auf der ganzen Welt erlebt haben, die großartige Enzyklika „Laudato si’“ von Papst Franziskus vom 24. Mai 2015 sehr aktuell gemacht. (http://www.vatican.va/content/francesco/de/encyclicals/documents/papa-francesco_20150524_enciclica-laudato-si.html )

In dieser Enzyklika – deren erneute Lektüre ich Ihnen empfehle – spricht der Papst mutig starke Worte. Vom „Nein“ zur Kultur der Verschwendung bis hin zur Forderung, das Recht auf Wasser zu verteidigen. Vom strengen Urteil über die Unfähigkeit der Politik, die Schwächsten zu verteidigen, bis hin zur Notwendigkeit, ein Regulierungssystem zum Schutz der Ökosysteme zu schaffen. Der Papst erinnert uns daran, dass die Umwelt ein Geschenk Gottes ist, ein gemeinsames Erbe, das nicht zerstört oder einer kalten Technokratie überlassen werden darf. Wir alle müssen verantwortungsvolle Verwalter der Schöpfung sein. Was der Papst „integrale Ökologie“ nennt, kann nicht vom Gemeinwohl getrennt werden; deshalb ist eine globale Umweltpolitik notwendig. Und bevor er seinen Text mit zwei Gebeten beendet, warnt Papst Franziskus davor, dass die absolute Vorherrschaft der Finanzen keine Zukunft hat, und bekräftigt unser „Nein“ als Christen zur Korruption und lädt uns ein, wieder zu entdecken, wie befreiend die Mäßigung im Leben ist.

Was die ganze Welt erschüttert hat und noch immer erschüttert, hat auch uns Freunde von Lourdes getroffen. Zunächst einmal Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, Krankenschwestern und Krankenpfleger sowie Mitglieder der Gesundheitsberufe aus aller Welt, die Sie monatelang unter extremen Bedingungen und oft ohne Ausrüstung arbeiten müssen. Und natürlich auch wir, die Bewohner von Lourdes. Seit Ende Februar hat der Wallfahrtsort die ersten Maßnahmen zur schrittweisen Eindämmung der Aktivitäten ergriffen, bis zur endgültigen Schließung der Tore am Montag, 16. März, einem Tag vor der allgemeinen Ausgangssperre für die Bevölkerung in ganz Frankreich.

Ich kehrte am Montag, 11. Mai in Begleitung unseres kleinen, aber außergewöhnlichen Teams – bestehend aus Christine Gago, Maryline Plagnet und Matthew Kang – ins Büro zurück. In der Zwischenzeit waren wir auch über das Internet in Kontakt geblieben.

Erst mit der Zeit wird die große und großzügige Verfügbarkeit der Gemeinschaft der Seelsorger des Wallfahrtsortes in diesen zwei schwierigen Monaten der Ausgangssperre deutlich werden, in denen sie in strengster Isolierung lebten. Unter der Leitung des Rektors, Msgr. Olivier Ribadeau Dumas wurde das Gebet in der Grotte ununterbrochen und kontinuierlich fortgesetzt. Die vom Fernsehsender TV Lourdes übertragenen Eucharistiefeiern und das Rosenkranzgebet fanden den ganzen Tag über statt – von den frühen Morgenstunden bis in die späten Abendstunden. Wir erhielten Zeugnisse und Dank aus der ganzen Welt von all denen, die sich im Gebet mit der Grotte verbinden konnten, wenn es auch nur weniger Minuten waren.

In den ersten Tagen nach Ende der Ausgangssperre begann ich über das Bulletin nachzudenken, das Sie in den Händen halten. Und ich habe den vielen Personen, die mir in diesen Monaten geschrieben hatten, um mich zu grüßen, um mich um Gebet zu bitten um Nachrichten zu bekommen, einen Brief geschrieben. Ich habe sie gebeten, ein paar Seiten für unser Bulletin zu schreiben und zu berichten, wie sie die Epidemie erlebt haben, wie ihr Leben sich verändert hat und was „Lourdes“ dabei für sie bedeutete.

Zu meiner großen Überraschung erhielt ich über 50 Beiträge aus verschiedenen Kontinenten und Ländern. Alle sehr persönlich und bedeutsam. Aber sie sind zu zahlreich, um in eine einzige Ausgabe des Bulletins zu passen!

Dank der Großzügigkeit von zwei lieben Freunden und Hospitaliers von Lourdes – Filippo Maria Pietropaolo und Domenico Ferrari di Pantene – haben wir bereits Ende November letzten Jahres beschlossen, mit ihrer Refill eine Website für unsere AMIL einzurichten. Bezüglich des AMIL-Teils wurde das Projekt von Matthew Kang koordiniert. Jetzt, da das Reisen so schwierig geworden ist, wird die Website für uns lebenswichtig: Sie ist ein Ort, an dem wir uns treffen, Informationen austauschen, unsere Mitgliedschaft und das Abonnement des Bulletins erneuern können. Ich bin daher stolz, Sie zum Besuch von www.amilourdes.com einzuladen. Ich möchte all jenen danken, die dies möglich gemacht haben, und ich danke Ihnen allen für Ihre Geduld, mit der Sie sie durchgehen und vielleicht auf Fehler, Unvollkommenheiten und mögliche Verbesserungen hinweisen werden.

Und gerade im Rahmen des unerwarteten Zusammentreffens der Verfügbarkeit der Website und der großen Anzahl von Artikeln, habe ich dieses Sommer-Bulletin ersonnen. Ein auf Papier gedrucktes Bulletin – das wir Ihnen weiterhin per Post zusenden werden – das aber auch mit dem Internet verbunden ist.

Das Bulletin wird mit einigen Beiträgen aus Lourdes eröffnet. Pater Régis-Marie de La Teyssonnière, Seelsorger des Wallfahrtsortes und Historiker, spricht über Lourdes in der Ausgangssperre und Mathias Terrier, der Kommunikationsdirektor des Wallfahrtsortes, stellt die Herausforderung dar, die die Epidemie für die Kommunikation darstellt. Anschließend steuerten zwei Kollegen aus Lourdes ihre Beiträge bei: Dr. Jean-Eudes Bourcier, verantwortlicher Arzt der Notaufnahme und des mobilen Rettungs- und Reanimationsdienstes des Krankenhauses von Lourdes, und Dr. Bénédicte Rouillier-Colia, koordinierende Ärztin des Seniorenheimes „La Madone“ in Lourdes und Ärztin des mobilen Palliativ-Pflegeteams des Krankenhauses von Lourdes. Danach entdecken Sie den ersten der Artikel „außerhalb von Lourdes” mit dem Beitrag von Professor Olivier Jonquet, Infektiologe und Reanimationsarzt an der Universitätsklinik Montpellier, Co-Präsident des CMIL – dem Internationalen Medizinischen Komitee von Lourdes.

Und dann folgen alle Beiträge, die ich erhalten habe. In der Papierfassung finden Sie einen Auszug aus jedem Artikel und den digitalen Link des betreffenden Artikels, der zu seiner ungekürzten Fassung auf der Website führt. Dies sind wertvolle Zeugnisse aus Frankreich, Spanien, Italien, der Schweiz, Deutschland, Belgien, Großbritannien, Irland, den Vereinigten Staaten von Amerika, Haiti, Ghana, Malaysia, Japan und Australien. Es sind Ärzte, Apotheker, Zahnärzte, Krankenschwestern, Kranken-hausseelsorger und Studenten, Christen und Nichtchristen, die Lourdes ganz einfach „lieben“!

Am 16. Juli 2020, dem Jahrestag der 18. Erscheinung der Heiligen Jungfrau von Lourdes vor der heiligen Bernadette, fand die erste globale und virtuelle Wallfahrt nach Lourdes mit Namen Lourdes United statt, bei dem TV-Lourdes und Internet so gut wie möglich benutzt wurden. Eine erfolgreiche erste Ausgabe, die Millionen von Menschen Hoffnung gab, die im Geiste von Lourdes leben. Über 80 Millionen virtuelle Pilger aus der ganzen Welt nutzten diese Verbindung über Internet und nahmen Kontakt mit dieser ersten weltweiten digitalen Wallfahrt auf. Liturgien und Zeugnisse wurden in Frankreich von KTO TV, Radio Notre Dame, RCF, Radio Espérance und Radio Présence, in den Vereinigten Staaten von EWTN, in Südamerika von ESNE TV, in Italien von TV 2000 und Vatican News, in Indien von MADAH TV und Atmadarshan TV, in Deutschland, Österreich und der Schweiz von KTV, in Großbritannien von Radio Maria und in Indonesien von HIDUP TV ausgestrahlt. Schließlich übertrugen die sozialen Netzwerke die Höhepunkte dieses Tages des Gebets, der Hoffnung und der Solidarität. Am selben Tag wurden über 200.000 Nachrichten zur Unterstützung und Gebetsanliegen an den Wallfahrtsort gesandt.

Wer diese großartige „Premiere“ noch einmal erleben möchte, kann dies auf folgender Seite tun: YouTube des Wallfahrtsortes: „Lourdes United“ – Sondersendung – Erste weltweite e-Wallfahrt! 16. Juli 2020.

Wir haben das Bulletin wenige Stunden nach dem großen Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel in den Druck gegeben. Dieses Fest ist der Höhepunkt des Sommers, auch für uns in Lourdes. Und zu diesem Fest haben wir auch große Ermutigung durch zwei wichtige Ereignisse erhalten. Zunächst einmal die Anwesenheit des Kardinalstaatssekretärs des Papstes, Kardinal Pietro Parolin, der zum dritten Mal innerhalb weniger Jahre nach Massabielle zurückkehrt und der die Feierlichkeiten an diesem Hochfest geleitet hat. Zweitens die Anwesenheit von mehreren hundert Pilgern der Nationalwallfahrt Frankreichs, der ältesten Wallfahrt, die seit 1873 ununterbrochen nach Lourdes reist, und deren Kommen ebenso wichtig ist. Die diesjährige Feier der 147. Nationalwallfahrt hat uns viel Ermutigung und Hoffnung für die Zukunft gegeben.
Dieser Wallfahrtsort ist wahrhaftig das Haus Mariens, der Unbefleckten Empfängnis, die uns schützt und leitet. Das ist wahr! Dieses Jahr konnten wir die „Kranken“ nicht empfangen, die im Rahmen einer organisierten Wallfahrt kommen und von den Hospitalités betreut werden. Allerdings – wie es allgemein mehr und mehr der Fall ist – kommen weiterhin Kranke, vor allem Schwerkranke oder gar Menschen, die am Ende ihres Lebens stehen, in Begleitung ihrer Angehörigen. Wir haben sie empfangen sowie die Sorge und die Hoffnung der Kirche und unzähliger Menschen auf der ganzen Welt.

Was Pater Duboé, M.I.C. bereits mehrmals in seiner Predigt bei der Einweihungsmesse in der Krypta am 21. Mai 1866 wiederholte, ist also wahr: „Die Zukunft von Lourdes? Sie ist in ihrem Namen enthalten: die Unbefleckte Empfängnis!

In der Hoffnung, Sie bald wieder zu treffen, grüße ich Sie alle mit Freude.